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Selbermachen, Herstellerfotos oder Profi beauftragen?

Produktfotos für Online-Shops: Grundlagen und Tipps

Produktfotos auch selbst herstellen

Produktfotos auch selbst herstellen

Was macht den Unterschied zwischen einem Online-Shop und einem Ladengeschäft aus – abgesehen von der Verfügbarkeit? Vor allem folgendes: Wer sich als potenzieller Kunde in ein Ladengeschäft begibt, der hat immer die Möglichkeit, das gewünschte Produkt mit eigenen Augen zu betrachten. Es von allen Seiten anzusehen und darüber hinaus auch in den Händen zu halten. Und so lange findige Computeringenieure keine Möglichkeit finden, einen Bildschirm mit „Fühl-Funktion“ zu bauen, wird das auch noch auf lange Sicht ein Alleinstellungsmerkmal des Ladengeschäfts bleiben.

 

Und genau aus diesem Grund müssen Onlineshops große Energien darauf verwenden, dem Kunden die optische und haptische Komponente so gut wie möglich zu ersetzen: Durch umfangreiche und hochwertige Produktfotos. Und wie das geht, erklärt der folgende Artikel.

 

Eine Fachartikel von Markus Mattscheck

 

Übersicht der Inhalte

Das Web und die Grafiken

Ohne Fotos wäre das Web bloß eine ziemlich trockene Ansammlung von Text – egal wie gut dieser geschrieben wäre – aber gerade für Onlineshops wäre ein solches Internet besonders fatal:

Der Sinn von Shop-Fotos

Auflockerung der Seite

Denn zunächst lockern Bilder eine solche Textflut schlicht und ergreifend auf. Machen Sie mal die Probe: Denken Sie sich diesen Artikel oder die Produktseite eines beliebigen Onlinehändlers einmal völlig ohne Fotos und Grafiken, oder lassen Sie den Browser sie einfach mal blockieren: Das Ergebnis wäre ein unübersichtlicher Wust, an dem auch Absätze und andere Textumbrüche nichts ändern könnten. Fotos hingegen lockern das Gesamtbild auf, können strukturieren und an den richtigen Stellen die im Text gemachten Informationen aufgreifen und in optische Beispiele umsetzen.

 

Optische Information für den Kunden

Sehr viel wichtiger ist jedoch eine weitere Komponente: Nur auf Fotos kann ein Kunde genau sehen, was er da kaufen möchte. Selbst die beste Umschreibung könnte niemandem genau klarmachen, was beispielsweise mit einem Farbnamen wie „Light Sulfur“ gemeint ist oder wie die „vergoldete Drehschließe mit Magnet“ einer Handtasche aussähe. Und ohne Fotos wären auch die meisten Zusammenbau-Hinweise zum Scheitern verurteilt. Es gibt schlicht Informationen, die können nur durch Bilder transportiert werden. Und am besten ist die Kombination von umfangreichen, erklärenden Texten und ergänzenden Fotos – ganz besonders in Onlineshops.

 

Steigerung der Kauflaune

Produktfotos am Model lassen die Ware nicht nur lebendig wirken, sondern geben dem Kunden auch einen unverzichtbaren Hinweis auf die Abmessungen, wie sie sich im echten Leben präsentieren. Und das wiederum bedeutet: Nur ein Shop, der seine Produkte optisch ansprechend präsentiert, gewinnt die Kunden für sich. Ein Beispiel: Sie möchten einen Wanderrucksack kaufen. Schriftliche Informationen wie „40 Liter Inhalt, Farbe Green Lemon“ sagen ohne entsprechende Bilder wie im zuvor genannten Absatz nicht viel aus. Welchem Händler würden sie in diesem Fall eher Ihr Geld geben:

  • Dem mit den groß anzoombaren, gut ausgeleuchteten Fotos von allen Seiten samt 360° 3D-Ansicht, einem Foto mit Bemaßung sowie welchen, die den Rucksack auf dem Rücken eines Models und somit die Größenverhältnisse zeigen

oder

  • Dem, der ein einzelnes pixeliges Herstellerfoto des Rucksacks vor einem weißen Hintergrund zeigt, das, wenn Sie es anklicken, sich in einem neuen Fenster, aber der gleichen Größe von 350x200 Pixeln öffnet?

Die Antwort dürfte offensichtlich sein. Und wer das verstanden hat, realisiert auch, dass umfangreiche und hochwertige Fotos die Shopseite grundsätzlich professioneller wirken lassen und damit die Kauflaune erhöhen.

Versteckte Vorteile

Geringere Rücksenderate

Daneben haben genaue Produktfotos auch noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Sie verringern die Rücksenderate massiv. Denn wenn Kunden genau das erhalten, was sie auf der Shopseite gesehen haben, sind sie zufriedener, als bei einem typisch-schlechten „Abbildung ähnlich“-Produkt.

 

Höherer Gewinn

Und das wiederum garantiert dem Inhaber des Shops einen höheren Gewinn: Es fallen keine Bearbeitungszeiten für Rücksendungen und Papierkrieg an. Und zudem kaufen schlicht mehr Kunden, wenn sie sehen, dass die Fotos besser als bei der Konkurrenz sind.

Wie definiert sich ein gutes Produktfoto?

Umfangreiche Information

Ein gutes Foto liefert dem Betrachter nicht nur Informationen, sondern auch manchmal Emotionen, je nach Ware. Bei der Produktfotografie kommt es vor allem darauf an, dass das Foto sich aufs Wesentliche konzentriert. Das bedeutet: Keine ablenkenden Hintergründe, keine unergründlichen Schatten und kein Zubehör auf der gleichen Bildebene, das vom eigentlichen Produkt ebenso ablenkt. Die Ware ist auf den Fotos immer der Mittelpunkt und muss auf jedem Bild so gut erkennbar sein, als hielte der Kunde es in einem hellen Ladengeschäft in eigenen Händen.

 

Hohe Auflösung

Unabdingbar dafür ist, dass eine möglichst hohe Auflösung gewählt wird. Die Auflösung der Produktfotos trägt zur Kaufentscheidung bei: Sie zeigt zunächst, dass die Fotos professionell sind und gibt dem Kunden darüber Rückschlüsse auf den Shop an sich. Daneben ist eine hohe Auflösung auch zwingend notwendig, um präzise optische Informationen zu transportieren. Gute Produktfotos haben eine minimale Seitenlänge von nicht weniger als 800 Pixeln. Allerdings muss die jeweilige Shopsoftware auch solche Auflösungen und auch die notwendige hohe Anzahl von Bildern zulassen.

 

Professionelle Wirkung

Der letzte Punkt ist die Professionalität: Egal ob verwackelt, an einigen Stellen unscharf oder schlecht ausgeleuchtet: Kunden erkennen sehr schnell, ob ein Foto gut oder schlecht ist. Dazu ist die Flut von Webfotos und Fotografen jeglicher Qualifikationsstufe heute durch die Digitalisierung zu allgegenwärtig und auch Laienaugen sind heute geschult. Wer seinen Webshop selbst mit Fotos bestücken will, sollte sich daher die Zeit nehmen und sich zumindest in die Grundregeln der Produktfotografie einlesen – selbst wenn er sich ansonsten für einen begnadeten Freizeit-Fotografen hält: Landschaftsaufnahmen sind etwas gänzlich anderes als Produktfotos.

Woher nehmen?

In diesem Sinne behandelt das folgende Kapitel auch die Quellen von Fotos beginnend mit denen, die der Shopbetreiber selbst erstellen kann.

Produktfotos selber machen

Grundlagen

Produktfotos selber machen - Vor- und NachteileProduktfotos selbst produzieren ist dank der Digitalisierung prinzipiell nicht schwer. Der vielleicht größte Vorteil: Richtig ausgeführt kommen dann nämlich auf der Shopseite alle Vorteile guter Fotos zum Tragen, ohne jedoch die hohen Kosten für einen Profifotografen. Zudem kann die Eigenfotografie sehr viel schneller auf ein wechselndes Sortiment und Produktneuheuten reagieren, als ein Profi, der einen vollen Terminkalender hat und mehrere Kunden betreut.

 

In diesem Sinne bietet es sich in jedem Fall an, eine kleine Ecke im Büro einzurichten – sie muss kaum größer als ein Quadratmeter sein – und in das nötige Equipment zu investieren. Wer Mitarbeiter hat, sollte zudem auch in jedem Fall nachfragen, ob dort bereits Erfahrungen mit dieser Fotografieform vorhanden sind. Zudem kann diese Eigenfotografie auch eine gute Ergänzung für Profifotos sein. Etwa, wenn ein Fotograf bei der Eröffnung des Shops alle Waren ablichtet und der Besitzer alle Neulistungen künftig selbst festhält – freilich in der gleichen Anmutung, damit den Kunden kein Unterschied auffällt.

 

Ausrüstung

Produktfotos selber machen: Spiegelreflexkamera mit WechselobjektivenZwar liefern heute auch Kompaktkameras und sogar viele Handys sehr hohe Auflösungen und gute Bilder. Allerdings sollte für professionelle Wirkung dennoch auf eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) gesetzt werden. Das können schon Modelle der Consumerclass wie Nikon D5300 oder Canon 700D sein. Allein schon deshalb, weil DSLRs den Tausch von Objektiven sowie das Verwenden von standardisiertem Zubehör wie Stativen und Blitzen ermöglichen und sich somit für viele Situationen eignen. Neben der Kamera und einem passenden Objektiv (am besten mit Makrofunktion für Detailfotos) benötigt man:

  • Eine Fotobox mit neutralem Hintergrund, hier eine Bauanleitung.
  • Mehrere verstellbare Schreibtischlampen, alternativ kleine Slave-Blitze.
  • Ein leichtes Stativ.
  • Neutrale Lineale, um Fotos mit Größenangaben des Produkts zu schießen.
  • Eventuell kostenlose Bildbearbeitungssoftware wie GIMP falls Aufhellungen oder Farbkorrekturen gemacht werden sollen.

Fotos vom Profi

Was macht einen guten Produktfotografen aus?

Produktbilder vom Profifotograf - Vor- und NachteileZunächst einmal kann ein Produktfotograf auf mehr Erfahrung zurückblicken, als die meisten Shopbetreiber. Zwar besteht für den Betrieb eines Fotogewerbes kein Ausbildungszwang mehr, es kann also praktisch jeder „Fotografie“ anbieten, dennoch sind hier meist vielfältigere Fähigkeiten vorhanden. Es beginnt bereits bei komplizierten Fotos von stark reflektierenden oder durchsichtigen Produkten und endet bei der 3D-Fotografie, die es später auf der Produktseite ermöglicht, die Ware stufenlos drehen und betrachten zu können.

 

Kosten

Solches Können spiegelt sich allerdings auch immer in entsprechenden Preisen wieder: Ein guter Produktfotograf wird seine Dienste nicht für weniger als zehn Euro pro Produkt anbieten. Zudem gehören oft auch Anfahr- und Aufbaukosten mit zur Kalkulation. Bei großen Stückzahlen bieten viele zwar auch gestaffelte Preise an, wirklich günstig ist diese Option jedoch ebenfalls nicht.

Herstellerfotos

Hintergründe

Produktbilder vom Hersteller - Vor- und NachteileJeder Hersteller möchte, dass Händler sein Produkt optimal anpreisen können und viele stellen deshalb professionelle Fotos zum Download bereit, obendrein meist kostenlos. Allerdings ist das nicht wirklich die optimale Lösung, als die sie sich ausgibt. Denn es liegt in der Natur solcher Fotos, dass viele Händler sie verwenden. Das kann dazu führen, dass Kunden, die preisvergleichend von Shop zu Shop surfen, dauernd die gleichen Fotos geboten bekommen – wer jedoch hier durch erkennbar andere und vielleicht bessere und umfangreichere Fotos aus der Masse heraussticht, macht oft auch das Geschäft.

Rechtliches

Die AGB

Viele Shopbetreiber wissen zwar, dass sie gesetzlich dazu verpflichtet sind, AGBs aufzuzeigen, aber vergessen dabei die Fotos: Wer unklare Angaben macht – und dazu gehören auch Grafiken – kann bei falschen Produkten haftbar gemacht werden. Umgehen lässt sich das schon durch einen einzigen Satz, wie er hier unter §5 beispielhaft ausgeführt wurde: „Bitte beachten Sie, dass die Flaschenabbildungen im Online-Shop nur Beispielabbildungen sind. Verpackungen und Geschenkkartons gehören nur zum Produkt, wenn das explizit ausgewiesen ist.“ Mit einer solchen kurzen Erwähnung in den AGBs können sich Shopbetreiber vor jeglichen Problemen versichern, die aus falschen Kundenerwartungen heraus resultieren – selbst wenn sie bei den Bildern ansonsten noch so gewissenhaft arbeiten. Es wird immer Kunden geben, die etwas missverstehen.

 

Achtung, Copyright

Noch wichtiger, weil bei Missachtung sehr viel teurer, sind die Rechte an Fotos: Grundsätzlich liegt das Copyright bei dem, der die Fotos erstellt hat. Zudem gehen diese Rechte in den überwiegenden Fällen an den auftraggebenden Shop über. Das bedeutet: Wer seine eigenen Fotos erstellt, sollte sie durch elektronische Wasserzeichen vor Missbrauch schützen und im Zweifelsfall auch andere Shops, die diese Fotos ungefragt verwenden, abmahnen.

 

Erst fragen, dann einstellen

Andererseits gilt aber auch für vermeintlich freie Fotos wie die von Herstellern: Niemals herunterladen und einfach in die eigene Plattform einbauen – jedes Foto unterliegt dem Urheberschutz. Jeder Hersteller oder Großvertrieb hat eine Marketing-Abteilung, die für genau solche Anfragen zuständig ist. Wichtig: Ein kurzes Telefongespräch reicht nicht als Nachweis. Die Anfrage sollte daher zunächst per E-Mail erfolgen.

Produktfotos in der Praxis

Kommen wir zur praktischen Ausführung der Produktfotografie. Denn hier gibt es mehrere Möglichkeiten, zu fotografieren. Sie unterscheiden sich vor allem nach der Art des Produkts.

Emotionen oder Nüchternheit?

Und da lautet die erste Frage: Ist das Produkt eher nüchtern oder emotional? Mode-Accessoires sind beispielsweise hochgradig emotionale Produkte. Bei Werkzeugen herrschen eher rationale Kaufentscheidungen vor. Folgende Grafik verdeutlicht den Unterschied:

emotionale und rationale Produkte

Wie viele Fotos pro Produkt?

Eine schwierige Frage. Gesetzt dem Fall, dass die Shopsoftware hier keine zu engen Grenzen setzt, lautet die Grundregel für alle Produkte:

  • Fotos vor neutralem Hintergrund von allen Seiten
  • Jedes Foto muss zoombar sein. Alternativ solle es von herausstechenden Merkmalen Detailaufnahmen geben.
  • Ein Foto aus der Haupt-Blickachse mit Bemessung oder alternativ einem von der Größe bekannten Vergleichsgegenstand (Euro-Münze, Kugelschreiber etc).
  • Zusätzlich ein Foto am lebenden Objekt (Ohrringe am Model, ein Fahrrad in der Natur usw.)

Als zusätzliche Option des Kundenfeedbacks bietet sich zudem die Möglichkeit, innerhalb von Rezensionen auch eigene „Action-Fotos“ hochladen zu können. Das verstärkt einerseits die Kundenbindung, ist andererseits kostenlos und darüber hinaus auch noch eine informative Ergänzung.

 

3D-Fotos im Online-Shop: Kaufgarant oder Spielerei?

Anleitung 3D-FotografieDreidimensionale, also im Browser um 360 Grad drehbare Fotos haben vor allem dann eine Daseinsberechtigung, wenn sich der Aufwand lohnt. Beispielsweise weil das Produkt selbst hochwertig und kostbar ist. Ein T-Shirt benötigt keine 3D-Fotos. Ebenso wenig Computerbildschirme. Wo sich solche Bilder jedoch bezahlt machen: Technische Produkte wie Kameras, Elektrowerkzeug usw., die keine Haupt-Ansichtsachse haben und bei denen jeder Blinkwinkel für den Kunden von Interesse sein könnte.

 

Kategoriefotos vs. Produktfotos

Ein weiterer Punkt sind die unterschiedlichen Kategorien eines Shops versus die einzelnen Produktseiten: Für erstere muss ein wirklich bezeichnendes Produkt ausgewählt werden, dass so für die gesamte Palette dieser Kategorie stehen kann. Das kann, zugegeben, etwas knifflig sein, beschränkt sich aber in der Praxis beispielsweise auf eine Farbe, die bei vielen Produkten innerhalb dieser Gruppe angeboten wird. Alternativ kann auch ein besonders herausstechendes Modell gewählt und gleich entsprechend verlinkt werden.

Der Hintergrund für Produktfotos

Hintergrund für ProduktfotosIn Sachen Fotohintergrund wurde es vor einiger Zeit ziemlich komplex. Und zwar so, dass ein Aufschrei durch die Gemeinde der Shopbetreiber und Produktfotografen ging. Was war passiert? Gigant Amazon ließ sich 2014 Fotos vor weißem Hintergrund patentieren – allerdings deckt das Patent eine sehr genaue Vorgehensweise ab und gilt zudem nur in den USA – deutsche Shopbetreiber sind also zunächst sicher, selbst bei gleicher Vorgehensweise.

 

Der Hintergrund sollte also tatsächlich im Idealfall weiß oder hellgrau sein – andere (Pastell-) Farben sind jedoch bei weißen oder sehr hellen Produkten erlaubt. Ein neutraler Hintergrund samt mehreren Leichtquellen ist das A und O der Produktfotografie. In diesem Fall lassen sich verschiendene Hintergrundfarben wie ein Rollo herunterziehen. Wichtig jedoch: Zumindest innerhalb der Kategorie sollte die Hintergrundfarbe bei allen Waren einheitlich sein.

 

Mit oder ohne Accessoires?

Grundsätzlich sollten die „Haupt-Fotos“ nur das Produkt zeigen. Ist auf anderen Fotos Zubehör zu sehen, das nicht zum Produkt gehört, so muss dies gekennzeichnet werden. Und bei ergänzenden Model-Fotos sind Accessoires sogar Pflicht, denn die Aufgabe dieser Aufnahmen ist es, das Produkt in seiner „natürlichen Umgebung“ zu zeigen.

 

Freistellen

Freisteller sind Fotos, die aus dem ursprünglichen Hintergrund ausgeschnitten wurden und sich damit praktisch auf jede beliebige Vorlage stellen lassen. Wo selbst ein neutralweißer Hintergrund immer noch als solcher erkennbar ist, zeigen Freisteller nur die Ware an sich, können unter Umständen auch sehr distanziert und nüchtern wirken. In diesem Sinn kann es notwendig sein, alte Fotos, die noch nicht nach diesen Regeln angefertigt wurden, im Sinne eines optimal einheitlichen Looks aller Produktseiten freizustellen. Dafür ist zwingend Fotosoftware vonnöten: Das Bild wird also entlang seiner Ränder ausgestanzt und auf einen anderen Hintergrund gesetzt. Also beispielsweise ein Foto des Hintergrundes. Allerdings: Freistellen erfordert sehr viel Ruhe und Präzision. Schon kleine Fehler lassen das Ergebnis äußerst unprofessionell wirken.

 

Ausleuchten

Auf den Fotos vor neutralem Hintergrund sind Schatten der Feind. Denn sie lenken nicht nur ab, sondern dunkeln Produktbereiche ab und wirken zudem auch noch wenig hochwertig. Ein gutes Produktfoto wird deshalb sowohl von vorne, als auch beiden Seiten und von oben ausgeleuchtet, sodass jeder Quadratzentimeter der Ware gleichhell angestrahlt wird. Zur Vermeidung von Spots kann es daher notwendig werden, die Beleuchtung durch die Verwendung entsprechender Vorsätze – das kann schon halbtransparentes Papier sein – weicher zu machen und zu streuen.

Suchmaschinenoptimierung für Bilder

Ein weiteres und wichtiges Augenmerk sollte das Google-Ranking sein, denn es greift natürlich auch bei Produktfotos in einem Online-Shop. Je nachdem welche Art einer Suche ein Nutzer bei Google & Co. startet, werden auch Produktbilder aus Online-Shops angezeigt. Und über Bilder in den Trefferlisten kann sogar Umsatz in einem Shop generiert werden.

 

Google Trefferlisten mit Bildern zu Bogengriffe aus MessingEin Beispiel: Ich baue gerade einen Werkzeugschrank mit vielen Schubladen und benötige Möbelgriffe. Sie sollen

  • zum Holz des Schrankes passen,
  • keine scharfen Kanten habe,
  • „griffig“ sein und
  • nicht teuer sein.

Also verschaffe ich mir einen Überblick, was es so gibt und starte eine Suche bei Google. Bei der Suche nach „bogengriffe messing“ finde ich schon einmal einige Griffe. Mit einem Klick auf den Link zur Bildersuche erhalte ich noch mehr Bilder. Daraufhin habe ich ein Modell gefunden, das passt. Der Hersteller hat einen eigenen Shop und bietet seine Produkte aber auch bei Amazon an. Nachdem ich mir die Bewertungen des Shops angeschaut habe, kaufe ich direkt im Online-Shop. So erspare ich dem Shop-Betreiber die Provision, die er sonst an Amazon abgeben müsste.

 

Die Google-Bildsuche: Das Ranking

Es gibt einiges zu tun, bevor die eigenen Bilder bei Google gute Platzierungen zu gefragten Suchen erreichen. Ausschlaggebend sind 5 Bereiche:

  1. Indexierbarkeit (engl. Crawlability): Ist das Bild für Suchmaschinen-Crawler auffindbar und indexierbar?
  2. On-Picture: Die Eigenschaften des Bildes selber
  3. On-Page: Die Seite, in der das Bild eingebunden ist
  4. On-Site: Die gesamte Website, in der das Bild eingebunden ist
  5. Off-Page: Andere Websites, die auf das Bild verweisen

 

Bilder-SEO - Indexierbarkeit

Machen Sie es dem Crawler einfach, Ihr Bild zu finden und erlauben Sie ihm die Indexierung.

  • Binden Sie das Bilder nicht in iFrames ein
  • Laden Sie Bilder nicht per Javascript
  • Der Ordner auf dem Web-Server, der das Bild enthält darf nicht in der Robots.txt für Crawler gesperrt werden
  • Sie können es den Crawler auch noch einfacher machen, Ihre Bilder zu finden, indem Sie eine XML-Sitemap für Bilder bereitstellen.

 

Bilder-SEO – On-Picture

Sehr wichtig sind die Eigenschaften des Bildes selber.

  • Der Dateiname ist sehr wichtig. Benennen Sie das Bild entsprechend dem Bildinhalt. Dabei sollten die Keywords enthalten sein, zu denen Ihr Bild ranken soll. Und nutzen Sie als Worttrenner einen Bindestrich. Also bitte nicht „produkt0198563final_final-v3.png“ sondern „bogengriff-messing-glaenzend-polliert-230mm.png“.
  • Enthält der Pfad relevante Suchbegriffe, kann das positive Auswirkungen für das Ranking haben. http://www.griffshop24-7.de/bilder/moebelgriffe/bogengriffe/messing/ wäre gut.
  • Die Bildgröße sollte an einer Seite mindestens 300 Pixel betragen. Empfehlenswert sind Bildgrößen zwischen 320 x 240 Pixel bis 1280 x 960 Pixel.
  • Google bevorzugt Bilder im Querformat. Grund dafür liegt eventuell darin, dass sie besser in das Layout der Trefferlisten passen. Aber schauen Sie Sie sich selber einmal die Trefferliste mit den Bügelgriffen aus Messing an, da sieht man das recht gut.
  • Semantik über Exif-Daten: Bilder können auch Meta-Informationen wie Urheber, Aufnahmedatum, Geo-Informationen etc. Sie können auch Beschreibungen enthalten. Ob diese allerdings einen Einfluss auf das Ranking haben, ist nicht klar. Aber schaden kann es nicht, Exif-Daten zu pflegen.
  • Das Dateiformat sollte gif, png oder jpeg sein. Es spielt aber keine Rolle für das Ranking, welches von diesen Formaten Sie wählen.

 

Bilder-SEO – On-Page

Auch die Seite(n) in der das Bild eingebunden ist, ist sehr wichtig für das Ranking.

  • Umfeld: Suchmaschinen schauen sich an, in welchem thematischen Umfeld das Bild platzier ist und welcher Text neben, über oder unter dem Bild steht. Hier sollten Sie darauf achten, dass Sie relevante Keywords im Text neben dem Bild platzieren. Auch Überschriften werden dabei berücksichtigt. Ist vor dem Bild eine Überschrift eingebaut und entält diese auch relevante Keywords, ist das für das Ranking sehr gut. Der Title-Tag der Seite ist nicht so wichtig, aber im Sinne eines thematisch passenden Umfeldes kann es auch nicht schaden, wenn der Title-Tag relevante Keywords enthält.
  • Image-Attribute Alt-Tag und Title-Tag: Der Alt-Tag ist für das Ranking sehr wichtig. Nutzen Sie den Alt-Tag, um hier das Bild zu beschreiben. Achten Sie auch hier darauf, dass Sie relevante Keywords nutzen. Beispiel: <img width="200" height="160" src=" http://www.griffshop24-7.de/bilder/moebelgriffe/bogengriffe/messing/bogengriff-messing-glaenzend-polliert-230mm.png" alt="Bogengriff Messing glänzend polliert 230mm" title="Designgriff Ole2016 von Knut Sommers">. Der Title-Tag ist für das Ranking nicht wichtig, sollte aber dennoch gesetzt werden, da Browser den Title anzeigen, wenn man mit der Maus über das Bild geht. Das ist also ehr ein Attribut, das die Usability verbessern kann. Hier können Sie hilfreiche Informationen zum Bild eintragen. Beispiel: <img width="200" height="160" src=" http://www.griffshop24-7.de/bilder/moebelgriffe/bogengriffe/messing/bogengriff-messing-glaenzend-polliert-230mm.png" alt="Bogengriff Messing glänzend polliert 230mm" title="Designgriff Ole2016 von Knut Sommers">.
  • Zwei weitere Tags zum Bild sollten Sie auch setzen, auch wenn diese keinen Einfluss auf das Ranking haben: "width" und "height". Denn so wird die Seite auch schon im Layout korrekt geladen, auch bevor das Bild nachgeladen wurde. Das steigert die Ladegeschwindigkeit der Webseite.
  • Semantik über Schema.org: Die Auszeichnung von strukturierten Daten wird immer wichtiger in der Suchmaschinenoptimierung. Wenn Sie Ihre Bilder jetzt schon über Schema.org auszeichnen, unterstützen Sie die Suchmaschinen dabei, Ihr Bild zu „verstehen“. Auszeichnungen über Schema.org haben laut Google noch keinen direkten Einfluss auf das Ranking. Aber es hilft einer Suchmaschine semantisch zu verstehen, worum es sich bei dem Inhalt handelt. Und das kann indirekt dazu führen, dass ein Bild besser platziert wird, als eines, das eine Suchmaschine eben nicht so gut „versteht“.

 

Bilder-SEO – On-Site

Die Verwendung des Bildes auf der gesamten Website spielt auch eine Rolle bei der Suchmaschinenoptimierung von Bildern.

  • Je häufiger ein Bild auf einer Website oder in einem Shop genutzt wird, desto besser für das Ranking.
  • Aber: Schauen Sie, wo Sie ein Bild optimal einbauen können und bauen Sie es nicht wild überall auf im Shop oder der Website ein. Bedenken Sie das thematisch passende Umfeld.

Bilder-SEO – Off-Site

Gibt es Signale im Internet, die einer Suchmaschine mitteilen, dass Ihr Bild populär ist?

  • Verlinkungen auf Ihr Bild.
  • Einbindung des Bildes auf anderen Websites
  • Soziale Signale (engl. Social Signs) zum Bild oder der Seite, auf der das Bild eingebunden ist, in Form von Likes, Shares oder Kommentaren.

Wer noch tiefer in die Suchmaschinenoptimierung für Bilder gehen will, dem empfehle ich das tagSEOBlog von Martin Mißfeldt. Er hat auf seiner Seite auch ein Tool zum Bilder-SEO-Check einer Webseite.

Fazit

Nur durch hochwertige und zugleich suchmaschinenrelevante Bilder können Shopbetreiber bei ihren Kunden Kauflaune wecken und die Informationen vermitteln, die beim Vor-Ort-Kauf durch haptisches Feedback ersetzt werden würde. Shops, die diese Grundregeln vernachlässigen, stehen nicht nur beim Ranking auf den hintersten Plätzen, sondern generieren viel weniger Umsatz. Denn: Die Zeiten, in denen es ausreichte, einfach online Waren anzubieten, um Kunden anzulocken, sind definitiv vorbei. Heute gilt auch bei Webshops: Den Deal macht der, der seine Produkte in höchster Qualität präsentiert.

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Produktfotos für Online-Shops: Grundlagen und Tipps
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  • Relevanz
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  • Praxisbezug
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