Website-Relaunch richtig planen: So vermeiden Sie typische Fehler
Ein Website-Relaunch ist kein Designprojekt. Dennoch verengen viele Unternehmen ihre Planung genau darauf – auf neue Farben, ein moderneres Logo, ein aufgeräumtes Layout. Das ist nachvollziehbar, aber riskant. Denn wenn bei der Umsetzung zentrale Aspekte wie Zieldefinition, technische Umstellung, das Content- und SEO-Audit ignoriert werden, sind Rankingverluste vorprogrammiert. Im schlimmsten Fall verschlechtert sich die Sichtbarkeit, Conversions brechen ein oder wichtige Inhalte verschwinden unbemerkt. Wie sich diese Fehler vermeiden lassen, welche Maßnahmen wirklich zählen und wie ein Relaunch zum echten Erfolgsprojekt wird beleuchtet dieser Beitrag.
Ein Fachartikel von Markus Bockhorni
Inhaltsverzeichnis
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Was genau ist ein Relaunch?
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Startpunkt Zieldefinition
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Alle mit ins Boot holen
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Content-Audit als Pflichtübung
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Barrierefreiheit und GEO mitdenken
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Redirects sauber einrichten
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Testing als Pflicht – Nutzerbedürfnisse nicht vergessen
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Phasen eines Relaunches im Überblick
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Website Relaunch als strategische Weiterentwicklung Ihrer digitalen Präsenz
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Fazit
Was genau ist ein Relaunch?
Der Begriff „Relaunch“ wird oft ungenau verwendet. Tatsächlich lassen sich drei unterschiedliche Arten unterscheiden:
- Redesign: Es werden rein optische Aspekte der Website überarbeitet, also Look & Feel der Seite
- Relaunchim engeren Sinne: Dabei verändert sich neben dem Design die URL-Struktur, Inhalte werden verschoben oder entfernt
- CMS-/Systemmigration: Ein technischer Wechsel, etwa zu einem neuen Shop- oder Content-Management-System
Viele Unternehmen starten den Website Relaunch mit dem Wunsch nach Effizienz, übernehmen aber dennoch unreflektiert die alte Seitenstruktur. Ein fataler Fehler. Denn oft passen die übernommenen Inhalte nicht mehr zur Zielgruppe oder zum neuen Markenauftritt – und damit nicht mehr zur alten Informationsstruktur.
Startpunkt Zieldefinition
Deshalb sollte als erster Schritt bei Website Relaunch das Ziel definiert werden: Soll eine neue Zielgruppe angesprochen werden? Geht es um bessere interne Prozesse? Um neue Inhalte oder eine veränderte Markenkommunikation? Vielleicht möchten Sie auch die Auffindbarkeit in Suchmaschinen verbessern oder eine höhere Conversion-Rate erzielen? Gerade dann sollten Sie die Frage beantworten: Wie lässt sich ein besseres User-Erlebnis für die Zielgruppe schaffen?
Alle mit ins Boot holen
Sobald die Ziele klar definiert sind, geht es darum, diese im Unternehmen breit abzustimmen und personell abzusichern. Denn ein Relaunch ist weit mehr als ein IT-Projekt– er betrifft nahezu alle Bereiche und lebt vom Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen. Je früher relevante Abteilungen einbezogen werden, desto geringer ist die Fehlerquote. Beteiligen Sie daher von Anfang an:
- Marketing-Team
- SEO-Team
- Content-Team bzw. externe Texter
- IT
- UX und Design
- Kommunikation/PR
Nur wenn alle Perspektiven frühzeitig einfließen, kann ein Relaunch die gesteckten Ziele erreichen.
Content-Audit als Pflichtübung
Ein Relaunch ohne Content-Audit ist wie ein Umzug ohne Inventarliste. Ohne Überblick über die vorhandenen Inhalte laufen Unternehmen Gefahr, funktionierende Seiten zu verlieren, veraltete Informationen weiterzuführen oder bestehende SEO-Potenziale ungenutzt zu lassen.
Priorisieren Sie diese Inhalte anschließend anhand klarer Kriterien:
- Welche Seiten bringen Umsatz oder Sichtbarkeit?
- Was ist rechtlich notwendig (z. B. Impressum, Datenschutz, AGB)?
- Welche Inhalte sind veraltet oder überflüssig?
- Wo bestehen interne oder externe Verlinkungen, die beachtet werden müssen?
Nutzen Sie Tools wie Google Search Console, Google Analytics oder professionelle Crawling-Software (z. B. Screaming Frog). Auch Tools wie Sistrix oder Semrush helfen, Rankingverluste zu vermeiden, Keyword-Kannibalisierung zu erkennen und technische Fehler aufzudecken. Ein strukturierter Content-Audit bildet somit die Grundlage für eine schlüssige Seitenarchitektur und eine gezielte Content-Strategie im neuen Auftritt.
Barrierefreiheit und GEO mitdenken
Barrierefreiheit ist ein klares Qualitätsmerkmal moderner Websites. Wer hier investiert, verbessert nicht nur die Nutzererfahrung für Menschen mit Einschränkungen, sondern erhöht gleichzeitig die Gesamtqualität seines Webauftritts. Das zahlt sich langfristig aus – in Form besserer Nutzbarkeit, höherer Verweildauer und nicht zuletzt eines positiven Images.
Berücksichtigen Sie beim Website Relaunch:
- strukturierte Inhalte mit klarer Hierarchie (z. B. durch H-Tags)
- gute Lesbarkeit durch ausreichend Kontrast, passende Schriftgrößen und einfache Sprache
- zugängliche Navigation, die auch mit Tastatur oder alternativen Eingabegeräten funktioniert
- screenreader-freundliche Elemente wie Alt-Texte, semantisch korrekte HTML-Elemente und nachvollziehbare Linkbezeichnungen
Gestalten Sie auch Formulare barrierefrei – mit klarer Beschriftung, verständlichen Fehlermeldungen und logischer Tab-Reihenfolge. Auch Video- und Audioinhalte benötigen ggf. Untertitel, Audiodeskription oder Transkripte. Unternehmen, die hier sorgfältig arbeiten, erfüllen nicht nur gesetzliche Anforderungen, sondern erschließen sich zusätzliche Nutzergruppen und verbessern ihre Performance auch im Hinblick auf SEO und GEO. Denn auch die Optimierung der Inhalte für Generative KI wie ChatGPT oder Perplexity gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es darum, Inhalte so bereitzustellen, dass sie für KI-gestützte Suchmaschinen auffindbar und relevant sind. Wer bereits auf fundierte SEO-Strategien setzt, schafft damit eine ideale Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Positionierung auch in KI-gestützten Suchumgebungen.
Redirects sauber einrichten
Ein Relaunch bringt in vielen Fällen neue URL-Strukturen mit sich. Seiten werden umbenannt, neu gruppiert oder gelöscht. Ohne gezielte Weiterleitungen riskieren Sie nicht nur, dass User auf 404-Fehlerseiten landen, sondern auch den Verlust Ihrer Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Denn Google behandelt jede URL als eigenständige Ressource. Wird eine Seite entfernt oder verschoben, ohne dies korrekt zu kommunizieren, verliert sie in der Regel ihre bisherigen Rankings. Um das zu verhindern, braucht es ein sauberes Redirect-Konzept mit:
- 301-Weiterleitungen (nicht 302!)
- Berücksichtigung aller URL-Varianten (z. B. mit oder ohne Slash)
- Austausch veralteter interner Links
Ohne diese Maßnahmen riskieren Sie nicht nur Rankingverluste, sondern auch ein negatives Nutzererlebnis.
Testing als Pflicht – Nutzerbedürfnisse nicht vergessen
Was intern gut aussieht, ist für User noch lange nicht funktional. Planen Sie neben internen technischen Tests auch User-Tests ein: Finden die Nutzenden, was sie suchen? Funktioniert die Navigation? Stimmen Reihenfolge, Umfang und Inhalt der Seiten mit den Erwartungen der Zielgruppe überein? Planen Sie Testphasen fest ein. Legen Sie ein Set Ihrer wichtigsten Seiten an und prüfen Sie diese auf:
- Überschriftenstruktur
- saubere Redirects
- Content-Vollständigkeit
- Funktionalität von Links
- korrekte Indexierung
Vermeiden Sie typische technische Fehler wie übernommene "noindex"-Tags aus der Testumgebung oder fehlende Tracking-Pixel.
Phasen eines Relaunches im Überblick
- Zieldefinition
- Bestandsaufnahme und Content-Audit
- Redirect-Mapping
- Testing auf der Staging-Umgebung
- Go Live mit verfügbarem Team
- Post-Relaunch-Monitoring und Nachbesserung – hierfür ausreichend Zeit einplanen!
Website Relaunch als strategische Weiterentwicklung Ihrer digitalen Präsenz
Ein erfolgreicher Relaunch ist das Ergebnis einer methodischen Herangehensweise, fundierter Vorbereitung und der Zusammenarbeit interdisziplinärer Teams. Wer strukturiert plant, cross-funktional arbeitet und datenbasiert entscheidet, minimiert Risiken und maximiert Ergebnisse. Entscheidend ist dabei nicht nur das Wissen um technische, gestalterische und inhaltliche Anforderungen, sondern auch das Verständnis für deren Wirkung beim User.
Wer den Relaunch nutzt, um überholte Strukturen zu modernisieren, bestehende Inhalte an aktuelle Anforderungen anzupassen, verschafft sich langfristige Wettbewerbsvorteile. Denn eine Website ist heute zentrales Instrument der Markenführung, des Vertriebs und der Kundenbindung – und verdient genau diese Aufmerksamkeit.
Fazit
Ein Website-Relaunch sollte nicht als reines Designprojekt, sondern als strategische Chance zur ganzheitlichen Weiterentwicklung der digitalen Präsenz verstanden werden. Ein nachhaltiger Erfolg gelingt dabei nur durch eine klare Zieldefinition sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller relevanten Abteilungen von der IT bis zum Content-Team. Um folgenschwere Rankingverluste zu vermeiden, sind ein strukturierter Content-Audit und ein präzises Redirect-Konzept absolute Pflichtübungen in der Planungsphase. Wer zudem moderne Anforderungen wie Barrierefreiheit und die Optimierung für generative KI (GEO) integriert, sichert die Zukunftsfähigkeit und Qualität seines Webauftritts. Letztlich entscheidet ein akribisches Testing vor und nach dem Go-Live darüber, ob die Website den Nutzerbedürfnissen wirklich gerecht wird und technische Fehler konsequent eliminiert wurden.
Über Markus Bockhorni
Markus Bockhorni ist Gründer und Inhaber der eMBIS-Akademie für Onlinemarketing. In seinem Fachbuch „Erfolgreich als Online-Marketing-Manager. Auf diese Soft Skills kommt es an – heute und in Zukunft“ (Springer Gabler, 2019) widmet er sich dem Thema Lebenslanges Lernen. Als Gastautor ausgewählter Fachportale veröffentlicht er regelmäßig Artikel zu den Themen Onlinemarketing, Weiterbildung und Lebenslanges Lernen.