Facebook im B2B - Sind Fanpages & Co. für Unternehmen sinnvoll?
Facebook zählt in Deutschland nach wie vor zu den reichweitenstärksten sozialen Netzwerken – mit rund 25 Millionen monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzern. Die Plattform ist Teil des Meta-Konzerns und hat sich seit ihren Anfängen grundlegend verändert: Organische Reichweite ist stark gesunken, das Werbeökosystem dafür ausgreifter denn je. Für Unternehmen im B2B stellt sich daher nicht mehr nur die Frage, ob Facebook sinnvoll ist, sondern vor allem wie und mit welchen Zielen.
Ein Fachartikel von Markus Mattscheck
Das frühere Vorurteil, Facebook werde ausschließlich privat genutzt, lässt sich heute klar widerlegen. Auch wenn LinkedIn für die B2B-Kommunikation in vielen Branchen relevanter geworden ist, sind in einem Netzwerk mit 25 Millionen deutschen Nutzerinnen und Nutzern selbstverständlich auch Entscheider, Entscheidungsvorbereiter und Multiplikatoren vertreten. Gerade bei Zielgruppen ab 35 Jahren – einer für viele B2B-Unternehmen besonders relevanten Gruppe – ist Facebook nach wie vor fest im Alltag verankert.
Wer für seine B2B-Zielgruppe relevante Inhalte auf einer Facebook Page oder in einer Gruppe anbietet und dabei gezielt auf Meta-Werbeanzeigen setzt, kann dort erreichbare und kaufbereite Kontakte aktivieren. Wichtig ist dabei ein realistischer Blick: Organische Reichweite auf Facebook Pages ist in den vergangenen Jahren erheblich gesunken und liegt heute häufig nur noch im einstelligen Prozentbereich der eigenen Follower. Eine rein organische Strategie ohne bezahlte Unterstützung reicht daher in den meisten Fällen nicht mehr aus.
Strategien und Ziele bei Facebook im B2B
Es gibt viele Möglichkeiten, Facebook für B2B-Unternehmen sinnvoll einzusetzen. Sowohl im Marketing als auch in der Unternehmenskommunikation lassen sich unterschiedlichste Zielsetzungen verfolgen, beispielsweise…
- Support bieten
- Bekanntheit steigern
- Image pflegen
- Anfragen generieren
- Kundenbindung stärken
- Meinungen einholen
- Traffic für die eigene Unternehmenswebsite oder das eigene Blog generieren
- Suchmaschinenoptimierung*
- Fortbildung
- Personalrekrutierung und Employer Branding
- Informationsaustausch und Community-Building
- Retargeting und Lead-Generierung über Meta Ads
* Ob Social-Media-Aktivitäten ein direkter Ranking-Faktor in Googles Algorithmus sind, ist nach wie vor umstritten – Google selbst verneint dies offiziell. Indirekte Effekte sind jedoch real: Inhalte, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden, erhalten tendenziell mehr externe Verlinkungen und generieren mehr Markensuchen – beides anerkannte Rankingsignale. Social-Media-Sichtbarkeit und Suchmaschinenoptimierung sind deshalb sinnvoll miteinander verzahnt zu planen.
10 Fragen zum Einsatz von Facebook im B2B
Mit den nachfolgenden Fragen können Sie sich Klarheit darüber verschaffen, ob der Einsatz von Facebook im B2B für Ihr Unternehmen in Frage kommen kann:
- Was sind die Ziele?
- Welche Zielgruppe will ich erreichen – und ist diese auf Facebook aktiv?
- Unterstützt eine Facebook Page oder Gruppe die übergeordneten Marketing- und Kommunikationsziele?
- Wie mache ich die Facebook Page oder Gruppe bekannt?
- Wie messe ich den Erfolg – und welche KPIs sind relevant?
- Habe ich Inhalte, die für meine B2B-Zielgruppe relevant und interessant sind?
- Wie regelmäßig kann ich neue Inhalte anbieten?
- Sollen Agenturen beim Aufbau und der Betreuung mitwirken?
- Stehen kommunikationssichere Mitarbeiter zur Verfügung?
- Steht ein Budget für bezahlte Reichweite über Meta Ads zur Verfügung?
Kennzahlen zur Erfolgsmessung
Eine erfolgreiche Präsenz im Social Web kostet Geld bzw. Arbeitszeit. Aus diesem Grund werden den Verantwortlichen in Marketing und Kommunikation Fragen zum Erfolg von Social-Media-Marketing im B2B gestellt.
Es gibt quantitative und qualitative Kriterien, die für die Social-Media-Erfolgsmessung herangezogen werden können. Eine Einteilung kann über Reichweite, Umfang der Nutzerbeteiligung, Qualität der Nutzerbeteiligung und den Einfluss Ihres Social-Media-Engagements auf die Nutzer erfolgen.
Beispiele für Kennzahlen zur Reichweite und Umfang der Nutzerbeteiligung:
- Anzahl der Follower und Seitenaufrufe
- Organische und bezahlte Reichweite der Beiträge
- Traffic für die eigene Website über Facebook
- Anzahl der Kommentare und Shares
- Anzahl der Reaktionen auf einzelne Posts
- Videoaufrufe und durchschnittliche Wiedergabedauer
Beispiele für Kennzahlen zur Qualität der Nutzerbeteiligung und den Einfluss des Social-Media-Engagements auf die Nutzer:
- Engagement Rate (Interaktionen im Verhältnis zur Reichweite)
- Inhalt und Tonalität der Kommentare
- Leads und Abschlüsse über Meta-Lead-Ads oder verlinkte Landingpages
- Cost per Lead bei bezahlten Kampagnen
Möglichkeiten zur Nutzung von Facebook im B2B: Pages, Gruppen und Meta Ads
Auf Facebook Pages können Unternehmen Statusmeldungen zu Unternehmensnews, Produkten oder Services, Links, Fotos, Videos und Reels veröffentlichen. Die Verwaltung erfolgt über die Meta Business Suite, die eine zentrale Steuerung von Facebook und Instagram ermöglicht – inklusive Planung, Auswertung und Anzeigenverwaltung. Da die organische Reichweite von Pages deutlich gesunken ist, ist eine Ergänzung durch bezahlte Meta-Anzeigen für die meisten Unternehmen heute unverzichtbar.
Facebook-Gruppen sind für B2B-Unternehmen weiterhin ein interessantes Instrument – insbesondere für Community-Building, Kundensupport und den Wissensaustausch unter Gleichgesinnten. Gruppen können offen oder geschlossen sein; bei geschlossenen Gruppen haben nur Mitglieder Zugriff auf Inhalte und Diskussionen. Unternehmen können Gruppen etwa als Forum für Bestandskunden, für Fachthemen rund um ihr Produkt oder für Tester- und Beta-Communities einsetzen.
Meta Ads (ehemals Facebook Ads) bieten im B2B-Kontext gezielte Targeting-Möglichkeiten nach Branchen, Berufsbezeichnungen, Interessen und Verhaltensweisen. Besonders relevant sind Lead-Ads – Anzeigenformate, bei denen Interessenten ihre Kontaktdaten direkt innerhalb von Facebook hinterlassen, ohne die Plattform zu verlassen. Auch Retargeting-Kampagnen auf Website-Besucher sind für B2B-Unternehmen mit überschaubarem Aufwand umsetzbar.
Facebook Reels (kurze Videoformate) gewinnen auch auf Facebook an Bedeutung und bieten derzeit noch eine vergleichsweise hohe organische Reichweite – ein Effekt, den Meta ähnlich wie einst bei Instagram Stories bewusst fördert, um das Format zu etablieren.
Drei Beispiele aus der B2B-Praxis
Einige Beispiele zeigen, wie Unternehmen im B2B Facebook einsetzen:
Maschinenfabrik Reinhausen – facebook.com/Reinhausen.com
Das mittelständische Technologieunternehmen nutzt seine Facebook-Präsenz konsequent für Employer Branding und Recruiting. Beiträge zeigen Einblicke in den Berufsalltag, Veranstaltungen für Auszubildende und Schüler sowie aktuelle Stellenanzeigen. Die Seite verdeutlicht, dass Facebook für B2B-Unternehmen mit einem klaren Recruiting-Fokus nach wie vor einen echten Mehrwert bieten kann – auch wenn die Zielgruppe nicht primär auf LinkedIn unterwegs ist.
Community-Gruppen als Kundenbindungsinstrument
Zahlreiche B2B-Anbieter aus den Bereichen Software, Maschinen- und Anlagenbau sowie Beratung setzen auf geschlossene Facebook-Gruppen als Ergänzung zu ihrem Support- oder Partnermodell. Kunden und Anwender tauschen sich über Best Practices aus, das Unternehmen kann direkt auf Fragen reagieren und erhält wertvolles Feedback für die Produktentwicklung. Der Vorteil gegenüber einem eigenen Forum: Die Nutzer sind bereits in der Plattform aktiv und die Hemmschwelle zur Beteiligung ist niedriger.
KUKA Robotics – facebook.com/KUKA.Robotics
Der Hersteller von Industrierobotern nutzt seine Facebook-Präsenz heute in erster Linie für Imageaufbau und Reichweite: Videoformate zeigen Roboter in spektakulären Anwendungen – von der Automobilfertigung bis zur Live-Kunstinstallation. Der Content zielt weniger auf direkte Leadgenerierung als auf Markenbekanntheit und die Positionierung als Innovationsführer. Ein Beispiel dafür, dass auch im B2B emotionaler und unterhaltsamer Content erfolgreich funktionieren kann.
Fazit
Facebook bleibt für B2B-Unternehmen relevant – aber die Spielregeln haben sich grundlegend verändert. Wer allein auf organische Reichweite setzt, wird auf Facebook kaum noch Wirkung erzielen. Wer hingegen klare Ziele definiert, in Videoformate und Reels investiert, gezielt Meta Ads einsetzt und Facebook Gruppen als Community-Instrument nutzt, kann auch heute noch messbaren Mehrwert generieren. Entscheidend ist eine realistische Einschätzung der eigenen Ressourcen und der Frage, ob die Zielgruppe tatsächlich auf Facebook erreichbar ist – oder ob Plattformen wie LinkedIn, YouTube oder eine eigene Community-Lösung besser geeignet wären.
Über Markus Mattscheck
Betreiber und Chefredakteur von Onlinemarketing-Praxis
Markus Mattscheck ist in seinen Tätigkeitsfeldern bereits seit 1995 fest mit dem Internet verdrahtet und verfügt über eine umfassende Marketing-Expertise. Sein Kommunikations- und PR-Background verbindet er mit seinem hohen Grad an technischem Know-how und entwickelt daraus ganzheitliche Onlinemarketing-Strategien. Dieses Wissen teilt er als Autor und schreibt praxisnah und verständlich über Fachthemen aus vielen Bereichen des Onlinemarketings.