Definition Fokusgruppen

Fokusgruppen sind eine Technik aus der klassischen Marktforschung, die auch bei der Messung und Verbesserung der Usability (dt. Nutzerfreundlichkeit) ihre Anwendung findet. Dabei diskutieren potenzielle Benutzer aus einer homogenen Zielgruppe, aber auch Experten in einer von einem neutralen Moderator geleiteten Gruppendiskussion über (neuartige) Konzepte und erarbeiten unter Anwendung von Kreativtechniken gezielte Optimierungsvorschläge bzw. Ideen zur (Weiter-)Entwicklung. Dadurch kommt es zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit dem Thema und einer Vielzahl von Aspekten und Sichtweisen. Deutungs- und Handlungszusammenhänge können über die Sinnzusammenhänge der Teilnehmer erschlossen werden. Emotionale Hintergründe von Äußerungen und versteckte Annahmen werden somit aufgedeckt. Entscheidend ist, dass zuvor Themen und Aspekte festgelegt werden. Diese Diskussion kann sowohl offline als auch online erfolgen.

Welche Fragestellungen können mit Fokusgruppen beantwortt werden?

  • Wird das neue Konzept (speziell: Interaktionsprozesse) von den Nutzern verstanden?
     
  • Wie würden die Nutzer gerne eine Website bzw. einzelne Funktionalitäten gestalten?
     
  • Wie lassen sich bereits bestehende Funktionen und Features auf einer Website nochmals optimieren?
     
  • Wie kann man neue, innovative Konzepte oder Features nutzergerecht umsetzen? Welche Inhalte, Funktionen und Services könnte man zusätzlich noch anbieten? (Ideengewinnung)

In welcher Projektphase sind Fokusgruppen einsetzbar?

  • Analyse: Gruppendiskussionen sind eine ideale Plattform für Gespräche bzw. Aussagen, die unter Umständen zu tieferen Einsichten bei anderen Nutzern oder Entwicklern führen. Sie können somit der ideale Auftakt eines Entwicklungsprozesses sein. D. h. sie werden entweder als eine Art Ideen-Pool (Innovationsworkshop) oder als Ergänzungsmethode während der Anforderungsanalyse (z. B. durch eine Panelbefragung oder eine Onsite-Befragung) verwendet.

Fokusgruppen können bereits eingesetzt werden, wenn lediglich erste Screens bzw. Wireframes (schematische Darstellung einer Webseite) vorliegen. Falls es sich um Fokusgruppen mit Experten handelt, reichen oft schon abstrakte, verbalisierte Konzeptbeschreibungen aus.

Weitere Methoden zur Messung der Usability finden Sie in dem Artikel "16 Methoden zur Messung der Usability".

FAQs zu Fokusgruppen (Gruppendiskussionen)

Was ist eine Fokusgruppe?

Eine Fokusgruppe ist eine qualitative Forschungsmethode, bei der eine kleine Gruppe von Personen (meist 6 bis 10 Teilnehmer) unter Anleitung eines Moderators über ein bestimmtes Thema, Produkt oder Konzept diskutiert. Ziel ist es, tiefere Einblicke in Einstellungen, Meinungen und Motivationen der Zielgruppe zu gewinnen, die über einfache Ja/Nein-Antworten hinausgehen.

Wie läuft eine Fokusgruppen-Diskussion ab?

Der Prozess folgt meist einem festen Schema:

  • Rekrutierung: Auswahl von Teilnehmern, die der Zielgruppe entsprechen.
  • Moderation: Ein neutraler Moderator führt durch einen Leitfaden, setzt Impulse und achtet darauf, dass alle Teilnehmer zu Wort kommen.
  • Interaktion: Die Teilnehmer reagieren aufeinander, was oft neue Aspekte zutage fördert, die in Einzelgesprächen verborgen geblieben wären.
  • Aufzeichnung & Analyse: Die Sitzung wird (oft per Video) aufgezeichnet und anschließend transkribiert und ausgewertet.

Vorteile gegenüber Einzelinterviews?

Der größte Vorteil ist die Synergie. Durch die Gruppendynamik entstehen Diskussionen, die spontane Ideen und tiefere emotionale Reaktionen hervorrufen. Zudem ist es oft zeiteffizienter, Meinungen von acht Personen gleichzeitig zu hören, als acht separate Termine zu koordinieren.

Wann sollte man Fokusgruppen einsetzen?

Fokusgruppen sind ideal für:

  • Produktentwicklung: Testen von frühen Prototypen oder Werbebotschaften.
  • Markenimage: Verständnis dafür, wie eine Marke wahrgenommen wird.
  • Problemidentifikation: Herausfinden, warum ein Produkt in einer bestimmten Region nicht gekauft wird.
  • Ideenfindung: Brainstorming für neue Features oder Dienstleistungen.

Was sind die Grenzen von Fokusgruppen?

Es gibt zwei Hauptrisiken:

  • Groupthink (Gruppenzwang): Teilnehmer trauen sich nicht, eine abweichende Meinung zu äußern, um harmonisch zu wirken.
  • Dominante Teilnehmer: Einzelne Personen können das Gespräch an sich reißen und das Ergebnis verfälschen.
  • Keine Repräsentativität: Die Ergebnisse sind qualitativ hochwertig, lassen sich aber statistisch nicht eins zu eins auf die gesamte Bevölkerung übertragen.

letzte Aktualisierung: 11. Januar 2026