Eine Kontextanalyse ist eine Methode zur Messung und Verbesserung der Usability (dt. Nutzerfreundlichkeit).
Ein geschulter Interviewer befragt und beobachtet den Anwender im natürlichen Anwendungskontext und befragt ihn anhand eines strukturierten Interviewleitfadens. Die Anwender werden bei der Lösung von typischen Aufgaben beobachtet, zu einer Bewertung der Anwendung befragt und ihre Vorgehensweise bei der Aufgabenbearbeitung diskutiert. Die Datenerhebung und -analyse umfasst Aspekte, die im Testlabor verborgen bleiben: Einflüsse der natürlichen Umgebung des Anwenders auf die Nutzung, Studium der Artefakte (z. B. EDV-Ausstattung, Arbeitsgeräte) und Interaktionen mit Kollegen, Familie, Freunden usw.
Weitere Methoden zur Messung der Usability finden Sie in dem Artikel "16 Methoden zur Messung der Usability".
Contextual Inquiry (deutsch: Kontextuelle Befragung oder Kontextanalyse) ist eine qualitative Research-Methode aus dem User Experience Design. Dabei beobachtet und befragt ein Researcher den Nutzer in seiner natürlichen Umgebung (z. B. am Arbeitsplatz oder zu Hause), während dieser seine alltäglichen Aufgaben erledigt. Ziel ist es, implizites Wissen und tatsächliche Verhaltensweisen aufzudecken, die in einem Labor-Setting verborgen blieben.
Die Methode stützt sich auf vier tragende Säulen:
In klassischen Interviews neigen Menschen dazu, ihre Arbeit idealisiert darzustellen oder wichtige Details zu vergessen ("Say-Do-Gap"). Bei der Kontextanalyse werden **Workarounds**, Unterbrechungen durch Kollegen oder physikalische Einschränkungen sichtbar, die der Nutzer selbst oft gar nicht mehr als Problem wahrnimmt. Das liefert eine wesentlich ehrlichere Datenbasis für die Produktentwicklung.
Contextual Inquiry wird idealerweise in der **frühen Phase der Produktentwicklung** (Discovery-Phase) eingesetzt. Sie dient dazu, die Anforderungen an ein neues System zu definieren oder grundlegende Probleme in bestehenden Workflows zu identifizieren, bevor die erste Zeile Code geschrieben oder der erste Wireframe erstellt wird.
Der Researcher nimmt die Rolle eines interessierten „Lehrlings“ ein. Der Nutzer (der „Meister“) erklärt seine Arbeit, während er sie ausführt. Wenn der Researcher eine interessante Handlung beobachtet, unterbricht er kurz für eine Verständnisfrage. Eine Session dauert meist zwischen 90 und 120 Minuten und endet mit einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse.
letzte Aktualisierung: 10. Januar 2026