Definition Onsite-Befragung
Eine Onsite-Befragung ist eine Form der Online-Befragung und wird bei der Messung und Verbesserung der Usability (dt. Nutzerfreundlichkeit) eingesetzt.
Bei einem individuell festgelegten Anteil von Besuchern (z. B. 10%) einer Website wird ein Flash-Layer mit einem Hinweis auf eine Befragung eingeblendet. Die Besucher haben die Wahl, ob sie sofort, später oder überhaupt nicht an dieser Befragung teilnehmen wollen. Die Besucher- / Nutzerbefragung wird dann über eine Befragungsfunktion realisiert. Mit Hilfe dieses Tools ist eine multimodale Fragebogengestaltung (z. B. Einbindung von Bildern, Videos) möglich.
Welche Fragestellungen kann eine Onsite-Befragung beantworten?
- Welche soziodemographischen Merkmale, Interessen und Meinungen weisen die Besucher einer Website auf?
- Mit welchen Intentionen greifen die Besucher auf eine Website zu?
- Welche Anforderungen und Erwartungen besitzen die Besucher einer Website in Bezug auf Inhalte, Funktionen und Services?
- Wie sind die Besucher auf die Website aufmerksam geworden?
In welcher Projektphase sind Onsite-Befragungen einsetzbar?
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Analyse: Die Erhebung von Anforderungen und Erwartungen der Nutzer ist der erste Schritt zur Definition bzw. Spezifizierung eines neuen Konzepts für eine bereits bestehende Website im Rahmen eines geplanten Re-Launches (dt. Wiedereinführung). Anhand der gewonnenen Daten lassen sich zudem Personas (archetypische Nutzer, die stellvertretend für die einzelnen Nutzergruppen der Website sind) bilden, um die Nutzerschaft einer Website bildhaft und greifbar für die Entwickler beschreiben zu können. Falls die Anforderungen und Erwartungen bestimmter Zielgruppen an eine völlig neuartige Website erforscht werden sollen, kann auf eine Panelbefragung zurückgegriffen werden.
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Betrieb: Auch im Betrieb einer Website lässt sich die tatsächliche Nutzerstruktur bestimmen und mit den eigenen Erwartungen bzw. Hypothesen diesbezüglich abgleichen. So lassen sich Erkenntnisse in Bezug auf die (Neu-)Ausrichtung der Website ableiten.
Weitere Methoden zur Messung der Usability finden Sie in dem Artikel "16 Methoden zur Messung der Usability".
FAQs zu Onsite-Befragung
►Was ist eine Onsite-Befragung und wie funktioniert sie technisch?
Eine Onsite-Befragung ist eine Online-Umfrage, die direkt auf einer Website eingeblendet wird, während Besucher die Seite nutzen. Sie dient vor allem der Messung und Verbesserung der Usability, der Erhebung von Nutzerbedürfnissen und der Erfassung von Zufriedenheitswerten.
Technisch wird die Befragung über ein JavaScript-basiertes Overlay realisiert, das einem individuell festgelegten Anteil der Besucher (z. B. 5–15 %) angezeigt wird. Früher kamen dafür Flash-Layer zum Einsatz – seit dem endgültigen Support-Ende von Adobe Flash im Dezember 2020 werden Onsite-Befragungen ausschließlich mit modernen Webtechnologien (JavaScript, HTML5, CSS) umgesetzt. Das Overlay kann als Modal-Dialog, Slide-in-Panel am Seitenrand oder als dezente Einladungsleiste (Survey Bar) erscheinen. Besucher entscheiden selbst, ob sie sofort, später oder gar nicht teilnehmen möchten. Die Ergebnisse werden in Echtzeit in ein Dashboard übertragen und stehen unmittelbar zur Analyse bereit.
►Welche Formate und Fragetypen kommen bei Onsite-Befragungen zum Einsatz?
Onsite-Befragungen reichen von umfangreichen Fragebögen bis zu einzelnen Micro-Surveys – die Wahl des Formats hängt vom Erkenntnisziel und der akzeptablen Unterbrechung des Nutzererlebnisses ab.
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Vollständige Onsite-Umfrage: Ein mehrseitiger Fragebogen mit 10–20 Fragen, der soziodemografische Merkmale, Besuchsintentionen, Zufriedenheit und Verbesserungswünsche erhebt. Die multimodale Fragebogengestaltung erlaubt die Einbindung von Bildern, Screenshots oder Videos, um kontextbezogene Fragen zu stellen.
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NPS-Befragung (Net Promoter Score): Eine einzige Frage – „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie uns weiterempfehlen?" – auf einer Skala von 0–10, oft ergänzt durch ein offenes Kommentarfeld. Der NPS ist die verbreitetste Kennzahl für Kundenloyalität und wird typischerweise als Slide-in nach einer Transaktion oder einem Seitenbesuch eingeblendet.
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CES-Befragung (Customer Effort Score): Misst, wie einfach oder schwierig der Nutzer eine bestimmte Aufgabe (z. B. Bestellvorgang, Support-Anfrage) empfunden hat – ideal als Exit-Survey nach Abschluss eines Prozesses.
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Micro-Surveys: Ein bis drei Fragen, die kontextbezogen auf bestimmten Seiten eingeblendet werden – etwa „Haben Sie gefunden, was Sie gesucht haben?" auf einer Suchergebnisseite. Micro-Surveys erzielen Antwortquoten von 10–30 %, weil sie den Nutzerfluss kaum unterbrechen.
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Exit-Intent-Befragung: Wird ausgelöst, wenn der Mauszeiger den sichtbaren Bereich des Browsers verlässt (auf Desktop) oder nach einer definierten Inaktivitätsdauer (auf Mobile). Ziel ist es, die Abbruchgründe zu erfassen, bevor der Besucher die Website verlässt.
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Feedback-Widgets: Permanente Buttons am Seitenrand („Feedback geben"), die der Nutzer bei Bedarf aktiv anklickt. Im Gegensatz zu eingeblendeten Befragungen sind sie nicht intrusiv, liefern dafür aber ein verzerrtes Sample, weil vor allem besonders zufriedene oder unzufriedene Nutzer teilnehmen.
►Welche Erkenntnisse liefert eine Onsite-Befragung im Vergleich zu Web-Analytics?
Web-Analytics-Tools wie Google Analytics 4 oder etracker zeigen, was Nutzer auf einer Website tun – Onsite-Befragungen erklären, warum sie es tun. Beide Methoden ergänzen sich und liefern zusammen ein vollständiges Bild der Nutzererfahrung.
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Besuchsintentionen: Analytics zeigt Einstiegsseiten und Suchbegriffe, kann aber nicht erfassen, ob der Nutzer tatsächlich gefunden hat, was er gesucht hat. Eine Onsite-Befragung klärt die Besuchsabsicht direkt – und deckt Lücken zwischen Erwartung und Angebot auf.
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Zufriedenheit und Erwartungen: Absprungraten und Verweildauer sind nur indirekte Indikatoren. Eine Befragung liefert direkte Bewertungen zur Zufriedenheit mit Inhalten, Navigation, Ladezeiten und dem Gesamteindruck der Website.
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Zielgruppenmerkmale: Analytics liefert technische Daten (Gerät, Standort, Verweisquelle). Eine Onsite-Befragung ergänzt soziodemografische Merkmale, berufliche Rolle, Branche und Interessen – Informationen, die für die Erstellung von Personas unverzichtbar sind.
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Abbruchgründe: Wenn ein Conversion-Funnel hohe Abbruchquoten zeigt, identifiziert eine Exit-Intent-Befragung die konkreten Ursachen – zu hohe Versandkosten, fehlende Zahlungsart, unklare Produktbeschreibung oder technische Probleme.
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Aufmerksamkeitsquelle: Die Frage „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?" erfasst Offline-Kanäle (Empfehlung, Messe, Printanzeige), die in Web-Analytics unsichtbar bleiben.
Ergänzend liefern qualitative Usability-Methoden wie Eye-Tracking, Usability-Tests im Labor oder asynchrone Remote-Usability-Tests tiefere Einblicke in Bedienprobleme, die weder Analytics noch Befragungen allein aufdecken können.
►Welche Tools eignen sich für die Durchführung von Onsite-Befragungen?
Der Markt für Onsite-Befragungstools reicht von kostenlosen Basislösungen bis zu Enterprise-Plattformen mit fortgeschrittener Analyse und KI-Auswertung.
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Hotjar: Kombiniert Onsite-Surveys mit Heatmaps, Session Recordings und Feedback-Widgets. Die kostenlose Version erlaubt bis zu drei Surveys und ist ein guter Einstieg für kleine und mittlere Websites.
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Survicate: Spezialisiert auf kontextbezogene Micro-Surveys mit Targeting nach Seite, Verweildauer, Scroll-Tiefe oder UTM-Parametern. Bietet direkte Integrationen mit Google Analytics, HubSpot und Intercom.
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Mopinion: Enterprise-Lösung mit multimodaler Fragebogengestaltung, Sentiment-Analyse und visueller Feedback-Erfassung (Nutzer können Screenshots mit Markierungen einreichen). Besonders im europäischen Raum verbreitet und DSGVO-konform.
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Qualtrics: Umfassende Experience-Management-Plattform mit Website-Intercept-Funktion, fortgeschrittener Logik (Branching, Piping, Randomisierung) und statistischer Auswertung – für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Stichprobenqualität und Analyse.
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Google Surveys / Google Forms: Google Surveys wurde 2022 eingestellt. Google Forms eignet sich als kostenlose Alternative für einfache Befragungen, bietet aber kein integriertes Website-Overlay – die Einbindung erfolgt über einen separaten Link oder ein eingebettetes iFrame.
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Usabilla (jetzt GetFeedback Digital): Fokussiert auf visuelles Feedback und Voice-of-Customer-Programme. Ermöglicht seitenspezifische Befragungen und die Verknüpfung mit CRM-Systemen wie Salesforce.
►Welche Best Practices erhöhen die Datenqualität bei Onsite-Befragungen?
Die größte Herausforderung bei Onsite-Befragungen ist die Balance zwischen ausreichender Stichprobengröße und minimaler Störung des Nutzererlebnisses. Schlecht umgesetzte Befragungen verschlechtern die Usability, die sie eigentlich messen sollen.
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Sampling-Rate bewusst steuern: Übliche Einladungsraten liegen bei 5–15 % der Besucher. Bei hoch frequentierten Websites reichen 2–3 %, bei Nischenwebsites können 20 % nötig sein. Entscheidend ist eine statistisch belastbare Stichprobe – als Faustregel gelten mindestens 100–400 vollständige Antworten je Segment.
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Zeitpunkt und Auslöser wählen: Befragungen, die sofort beim Seitenaufruf erscheinen, werden überwiegend weggeklickt. Bessere Trigger sind ein bestimmter Scroll-Anteil (z. B. 50 % der Seite), eine Mindestverweildauer (30–60 Sekunden) oder der Abschluss einer Aktion (z. B. Bestellung, Download).
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Kürze und Relevanz: Jede zusätzliche Frage senkt die Completion-Rate. Micro-Surveys mit ein bis drei Fragen erreichen Abschlussraten von 20–30 %, Befragungen mit über 15 Fragen fallen häufig unter 5 %. Die Fragen sollten direkt handlungsrelevante Erkenntnisse liefern.
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Kontextbezug herstellen: Eine Frage zur Suchfunktion sollte nur auf der Suchergebnisseite erscheinen, eine Frage zum Checkout nur nach dem Bezahlvorgang. Kontextloses Abfragen von Zufriedenheit ohne Bezug zur aktuellen Nutzungssituation erzeugt ungenaue Daten.
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Survey Fatigue vermeiden: Wiederkehrende Besucher sollten nicht bei jedem Besuch befragt werden. Cookie- oder LocalStorage-basierte Frequenzbegrenzung stellt sicher, dass ein Nutzer frühestens nach 30–90 Tagen erneut eingeladen wird.
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DSGVO-Konformität: Onsite-Befragungen erheben personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO, sobald sie mit Tracking-Daten verknüpft werden. Ein Hinweis auf die Datenverarbeitung mit Link zur Datenschutzerklärung ist Pflicht; bei sensiblen Daten ist eine explizite Einwilligung erforderlich.
►Wie verändert Künstliche Intelligenz die Onsite-Befragung ab 2025?
Künstliche Intelligenz transformiert Onsite-Befragungen in drei Bereichen: bei der intelligenten Ausspielung, bei der Auswertung offener Antworten und beim Übergang zu dialogbasierten Feedback-Formaten.
KI-gestützte Targeting-Algorithmen analysieren das Echtzeitverhalten eines Besuchers (Scroll-Muster, Klickpfade, Verweildauer) und entscheiden automatisch, ob und wann eine Befragung eingeblendet wird – mit dem Ziel, den Zeitpunkt zu wählen, an dem die Teilnahmewahrscheinlichkeit am höchsten und die Störung am geringsten ist. Das steigert die Antwortquote ohne zusätzliche Belästigung.
Bei der Analyse offener Textantworten ersetzen Large Language Models die manuelle Kategorisierung: Tausende Freitextkommentare werden automatisch nach Themen geclustert, nach Sentiment bewertet und in priorisierte Handlungsempfehlungen überführt. Tools wie Mopinion und Qualtrics integrieren solche KI-Auswertungen bereits in ihre Dashboards. Der nächste Schritt sind konversationelle Befragungen: Statt eines starren Fragebogens führt ein KI-Chatbot ein natürliches Gespräch, das sich dynamisch an die Antworten des Nutzers anpasst – ähnlich einem qualitativen Interview, aber skalierbar auf Tausende paralleler Gespräche. Diese Entwicklung verschwimmt die Grenze zwischen quantitativer Onsite-Befragung und qualitativer Nutzerforschung.
letzte Aktualisierung: 26. April 2026